2018

Ausgabe Freudenstadt 26.02.2018 Seite 31
Reisebilder mit inspirierender
Musik
Konzert - Das Trio Sanssouci bereichert die Semestereröffnung der Kreisvolkshochschule in Dornstetten
Zum Literaturkonzert zur Semestereröffnung hatte die Kreisvolkshochschule in die Zehntscheuer eingeladen. Zu Gast war das Trio Sanssouci aus dem pfälzischen Frankenthal mit Musik, bevorzugt aus dem 18. Jahrhundert, und einer Lesung aus Goethes »Italienischer Reise«.

 

 

Bei der Semestereröffnung der Kreisvolkshochschule Freudenstadt: der Leiter des Trios Sanssouci Hans-Jürgen Thema (links) und seine Kolleginnen Sohee Oh und Sigrun Meny-Petruck (Vierte und Fünfte von links), ferner von links Außenstellenleiter Felix Funk, Bürgermeister Bernhard Haas und stellvertretender VHS-Leiter Marc Vogt. Foto: Keck
Von Von Gerhard Keck
Dornstetten. Zunächst hatte Bürgermeister Bernhard Haas das Wort. Dass das
Gastspiel des renommierten Trios an kulturhistorischem Ort stattfinden konnte,
freute ihn besonders. Umso bedauerlicher empfand er die - allerdings

begründeten - Absagen mancher Honoratioren, die mit der Kreisvolkshochschule
eng verbunden sind.
Haas stellte den Gästen den neuen Dornstetter VHS-Außenstellenleiter Felix Funk
und Kulturamtsleiterin Ellen Brede als Nachfolgerin von Carolin Baier vor, bevor
er bildungspolitische Grundsätze anriss. Die zahlreichen Volkshochschulen im
Land mit ihren Außenstellen leisteten ganze Arbeit, so seine Überzeugung. Das
lasse sich auch am neuen Programm der Kreisvolkshochschule überzeugend
ablesen. Überhaupt werde die außerschulische Ausbildung weiter an Bedeutung
gewinnen und die Entwicklung von Bildung und Wissenschaft sich rasant
fortsetzen. »Bildung bedeutet Lebensqualität«, gab sich das Stadtoberhaupt
überzeugt.
Der Auftritt von Sohee Oh (Flöte), Sigrun Meny-Petruck (Oboe) und Hans-Jürgen
Thoma (Cembalo) zeigte sich als Inspiration in Ton und Wort. Vorträge zu
Kompositionen von Johann Christian Bach (Trisonate G-Dur für Querflöte, Oboe
und Cembalo), Johann Sebastian Bach (Sonate Nr. 5 in e-Moll), Giovanni Boni
(Sonate in G), Baldassare Galuppi (Trisonate G-Dur) und Jacques Ibert mit seinem
Interlude für Querflöte, Oboe und Cembalo als Exkurs in die zeitgenössische Musik
belegten auf imposante Weise die Qualität des Trios. Sie lässt sich auch ablesen an
dem Medieninteresse, das ihm fortwährend entgegengebracht wird.
Mit dem Repertoire am Konzertabend zur Semestereröffnung kam das Publikum
so nebenbei in den Genuss einer Premiere, und die passte so recht zum 25-
jährigen Bestehen des Trios Sanssouci im zurückliegenden Januar.
Rund 1300 Konzerte im In- und Ausland spielte die Truppe bis dato. Der Kopf des
Trios, Hans-Jürgen Thoma, wird in wenigen Tagen sein Amt als Leiter der
Städtischen Musikschule Frankenthal aufgeben und in Rente gehen. Aber, so
merkte er im Gespräch verschmitzt an, damit beginne eine intensive Phase von
Konzertreisen, die bereits geplant sind.
In der Zehntscheuer profilierte sich Thoma nicht nur am Cembalo, sondern auch
als Vortragender von Passagen aus Johann Wolf gang Goethes »Italienischer
Reise«. Mit akzentuierter Stimmführung, akustisch gut abgestimmt auf Publikum
und Räumlichkeit, ließ er die Gäste teilhaben an Reiseimpressionen des großen
Dichters aus der Zeit zwischen dem 11. September und dem 24. Oktober 1786.
Klangvolle geografische Bezeichnungen, Städte, an welchen sich die Fantasie des
Lesepublikums in jenen Tagen entzündete, gewannen im Laufe der Lesung
plastische Gestalt. Bozen, Trient, Verona, Venedig hielten für den unter einem
Pseudonym Reisenden viele kulturelle, städtebauliche, wissenschaftliche
Erfahrungen und anregende Begegnungen bereit. Staunenswertes, aber auch
Ärgerliches kreuzte seine Wege: einerseits die Leichtigkeit des südlichen Lebens,
andererseits der Dreck in den Straßen und schlechte Herbergen.
Der 37-jährige Goethe hatte zuvor lange gezögert, seinen Reiseplan nach Italien
umzusetzen: »Nur die höchste Notwendigkeit konnte mich zwingen, den

Entschluss zu fassen.« Eine Lebenskrise, ausgelöst zum einen von der Spannung
zwischen beruflichen Anforderungen in Weimar und dem Drang nach
dichterischer Freiheit, und zum anderen von der Aussichtslosigkeit seiner
brennenden Zuneigung zu Charlotte von Stein, gab schließlich den Anstoß zu
seiner »Flucht«, die eineinhalb Jahre dauern sollte. Später räumte Goethe ein,
dass er »zugrunde gegangen wäre«, hätte er nicht die Möglichkeit gehabt, im
Süden alles mit eigenen Augen sehen zu können. Marc Vogt, stellvertretender
Leiter der Kreisvolkshochschule, dankte dem Trio Sanssouci für die »wunderbare
Reise« auf Goethes Spuren in Italien.
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Neckarstadt Musikexperte Hans-Jürgen Thoma spielt mit dem „Trio Sanssouci“ eine Matinee in der Melanchthonkirche

Imposantes Ölgemälde als Animation

 

In jedem seiner Sätze vernimmt man sprühende Leidenschaft, wenn Hans-Jürgen Thoma über klassische Musik referiert. Humorbegabt und ideenreich führte der Cembalo-Spieler durch die musikalische Matinee mit seinem „Trio Sanssouci“ in der evangelischen Melanchthonkirche in Neckarstadt-Ost. In wenigen Tagen steht dem 65-Jährigen ein prägender Einschnitt bevor. „Jetzt geht es erst richtig los“, freute sich Moderator Hans-Jürgen Thoma in Bezug auf seine bevorstehende Verrentung zum 1. März hin.

Was für ein kraftvoller Start in den Tag: In der hellen weißen Melanchthonkirche stimmte das „Trio Sanssouci“ mehrere Stücke an, wie eine Triosonate G-Dur von Johann Christian Bach und eine Sonate G-Moll von Carl Philipp Emanuel Bach. „Hier in Melanchthon ist eine wunderschöne Akustik, hier ist Leben in der Kirche“, kommentierte Hans-Jürgen Thoma. Er war 28 Jahre lang Leiter der städtischen Musikschule im pfälzischen Frankenthal war und ausführlich über biographische Details der beiden Bach-Söhne Johann Christian und Carl Philipp Emanuel zu erzählen wusste.

Außerdem hing rechts neben dem Altar eine ausgerollte Kopie des schweren Ölgemäldes „Flötenkonzert Friedrichs des Großen“ des Malers Adolph von Menzel. Auf diesem Bild bläst der alte Friedrich unter einem schweren Kronleuchter stehend die Querflöte. Das Original davon kann man in der Berliner Nationalgalerie bestaunen. Zur stimmungsunterstreichenden Visualisierung des eigenen Auftritts habe das „Trio Sanssouci“ dieses imposante Gemälde von 1852 aufgehängt. „In diesem Musikkabinett haben wir schon musiziert. Der Saal sieht noch genauso aus und blieb unverändert“, schilderte Trioleiter Hans-Jürgen Thoma.

1993 gegründet

Aktuell feiert das „Trio Sanssouci“ sein 25-jähriges Bestehen. Darüber hinaus gab das Dreigespann, das in seiner Urformation 1993 gegründet worden war, vier Sätze einer „Suite Antique“ für Flöte und Cembalo des Komponisten John Rutter zum Besten, ein bedeutender englischer Klangkünstler. Während der königlichen Hochzeit zwischen Prinz William und Kate Middleton im April 2011 sei, wie Moderator Thoma informierte, klassische Musik von John Rutter gespielt worden. Aus ihren Instrumenten ließen die drei Profimusiker die Klänge quer durch das evangelische Gotteshaus fliegen. Wobei Gastgeber Hans-Jürgen Thoma den feuilletonistischen Begriff „Tonmalerei“ verwendete.

Ein Kontrastprogramm lieferte das Dreigespann, zu dem auch Sigrun Meny-Petruc (Oboe) gehört, dagegen mit dem Werk „Die Jungfrau von Orleans“ nach Voltaire aus der Feder des Komponisten Wolfgang Müller-Steinbach. „Neue Musik kann man nicht unter dem Begriff des Wohlklangs einordnen, jedoch ist sie aufregend“, versicherte Thoma. Was nicht ganz so leicht zugänglich war wie die vorhergehenden Bach-Stücke.

Wie das Zwitschern eines Vogels klang die Querflöte von Sohee Oh, eine junge Südkoreanerin, die seit sieben Jahren wegen musikalischer Studien in Mannheim lebt. „Unsere vorletzte CD-Einspielung brachte uns eine Einladung zu 3Sat und arte“, erzählte Hans-Jürgen Thoma, der ferner erklärte, wie mühsam es sei, sein Tasteninstrument herumzuschieben, über Stufen und Hindernisse hinweg. Fast wie ein Möbelpacker. „Es ist mimosenhaft, dieses Instrument, vor allem bei dieser Kälte“, weiß der 65-Jährige.

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FEUDENHEIM: Trio Sanssouci begeistert beim Konzert in der Epiphaniaskirche auch als Duo Musik am Hofe des Alten Fritz 

Von unserer Mitarbeiterin Christina Altmann 

 

 

Auch ohne Gabriele Knaus-Thoma (Oboe) begeisterten Sohee Oh (Querflöte) und Hans-Jürgen Thoma (Cembalo) vom Trio Sanssouci beim Konzert in der Epiphaniaskirche. © Rittelmann Auch ein Ensemble, das die Sorglosigkeit im Namen trägt, bleibt von Sorgen nicht verschont: Einen Tag vor dem geplanten Konzert des Trio Sanssouci in Epiphanias setzte ein Sturz die Oboistin außer Gefecht. Kurzerhand schrieb Hans-Jürgen Thoma, Gründer des Trios und Meister am Cembalo, das Programm um. Zusammen mit der Flötistin Sohee Oh bereitete er den vielen Besuchern in der Feudenheimer Kirche einen Abend voller klanglicher Juwelen aus der Feder bedeutender Komponisten des ausgehenden Barock. 

Seit 1993 erfreut Hans-Jürgen Thoma mit seinem Ensemble sein internationales Publikum und führt seit 2005 die Tradition von Elsbeth Janda fort, das Konzert mit allerlei fundierten "Plaudereien" zu begleiten. Dieses Mal 

stand der musikbegeisterte Preußenkönig Friedrich II. im Mittelpunkt, der sich nach seiner Machtergreifung 1740 auf Schloss Sanssouci ein Refugium schuf, nicht nur um sich seiner Leidenschaft, dem Flötenspiel, zu widmen. Ihm gelang es, die wichtigsten Musiker seiner Zeit an den Hof zu holen und die aufklärerischen Gedanken seines Freundes Voltaire mit Wissenschaftlern und Literaten zu teilen. Hier erholte sich der Alte Fritz von seinen verantwortungsvollen politischen Aufgaben, prägte unter seinem Flötenlehrer Johann Joachim Quantz und seinem Hofkapellmeister Carl Philipp Emanuel Bach das musikalische Leben in Potsdam und Berlin (so wie es das berühmte Gemälde von Adolf von Menzel beweist). 

Die gängige Kompositionsform des Barock war die Sonate. Allein Friedrich der Große schuf über 120 Sonaten für Querflöte. Die Nr. 9 in c-moll, die hier die koreanischen Musikhochschulabsolventin Sohee Oh so meisterhaft spielte, offenbarte die enorme emotionale und musikalisch begabte Ader des Preußenkönigs. Carl Philipp Emanuel Bach, der zweite und wohl berühmteste der Söhne des barocken Meisters Johann Sebastian, entsprach mit seinem empfindsamen Stil, der bereits mit seinen ungewöhnlichen Harmonien und Wendungen zur klassischen Epoche überleitete, sicherlich dem fortschrittlichen Geist seines Auftraggebers. Wunderbar machte Sohee Oh in der Solosonate in a-moll diese neuen Töne mit ihrem Auf und Ab deutlich. Friedrich der Große sei ein bekennender Freund der französischen Kammermusik gewesen, wusste Hans-Jürgen Thoma. Zwei Vertreter sollten daher besonders hervorgehoben werden: Anne Danican Philidor, der Oboist in der Pariser "Chapelle Royale" , versehen mit dem königlichen Privileg, öffentliche Konzerte zu geben, und Marin Marais. Dieser Chorknabe unter Francois Couperin und spätere Gambist im Dienste des Sonnenkönigs war in Komponistenkreisen hoch geschätzt. Seine Variationsfolge für Cembalo und Flöte über die berühmte spanische Follia ("Les Folies d'Espagne") erklang hier als ein einziges übermütiges Spiel aus schreitenden Tänzen und leuchtenden Melodien. Während es damals alle deutschen Musiker nach Italien zog, kam ein Oboist und Cellist aus Padua nach Würzburg, trat in den Dienst der Fürstbischöfe von Schönborn, heiratete eine Sopranistin und blieb dort bis zu seinem Tod 1763: Giovanni Platti bestach hier im Cembalo-Solo (Sonate 1 in D-Dur) durch eine sensible Melodik und abwechslungsreiche Harmonik. Das Publikum dankte den meisterhaften Solisten und ihrer Flexibilität in der Notlage mit langem Applaus. © Mannheimer Morgen, Mittwoch, 20.01.2016

2015

2013

Zevener Zeitung 21.März 2013 

 

Konzert auf dem Weg zum König Trio Sanssouci gibt sein 25. Gastspiel in Kirchtimke - 4387 Töne in drei Minuten und 24 Sekunden 

 

Das Trio Sanssouci spielte sein 25. Konzert in Kirchtimke in ungewohnter Besetzung. Flötistin Sohee Oh (links) ersetzte Gabriele Knaus-Thoma, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mitkommen konnte. Foto: rsk 

 

KIRCHTIMKE. Wohl dem, der eine Urlaubsbekanntschaft macht. Ein Aufenthalt in Kärnten war es, der die Familien Preibusch und Thoma vor fast 30 Jahren zusammenführte. Seitdem kommen Hans-Jürgen Thoma (Cembalo) und seine Frau Gabriele Knaus-Thoma (Flöte) sowie Sigrun Meny-Petruck (Oboe) - zusammen das Trio Sanssouci - so oft es geht nach Kirchtimke. Am Dienstagabend fand das 25. Gastspiel in der Lambertus-Kirche statt. Obwohl es schneite, war das Konzert des Trio Sanssouci gut besucht. Wer das Mannheimer Trio einmal gehört hat, der lässt sich gerne wieder mitnehmen auf eine „Reise in die Zeit, als unsere Kirche gebaut wurde", wie Pastor Wolfgang Preibusch erklärte. Während es im 18. Jahrhundert alle Musiker nach Italien zog, kam Giovanni Platti nach Würzburg. Der Liebe wegen. Seine Trio-Sonate in G-Dur für Flöte, Oboe und Basso continuo mute eher wie „prickelnder Prosecco an als schwerer Chianti", so Thoma. Lebhaft ging es weiter mit der Sonate Nr. 4, BWV 1033 für Flöte und Cembalo von Johann Sebastian Bach. Während Mozart 

sich jederzeit seiner Größe bewusst war, sei dies bei Bach fraglich, so Cembalist und Moderator Hans-Jürgen Thoma. „Hätte Bach gewusst, dass er unser musikalisches Evangelium bleiben würde, wären sicher mehr Werke erhalten geblieben." Böse waren die Lästereien, die Mozart aus Mannheim über Franz Xaver Richter nach Hause schrieb: „Dieser Richter säuft wohl an die 20 Glas Wein..." Der Applaus der Zuhörer zeigte allerdings, dass die geistigen Getränke der musikalischen Inspiration beim Larghetteo für Oboe und obligates Cembalo nicht geschadet haben. Es folgte die Triosonate G-Dur des jüngsten Bach-Sohnes Johann Christian, der sich „Giovanni" nannte und nach Italien und später nach London ging, wo er mit seinem sächsischen Englisch für Aufsehen gesorgt haben soll. Mehr Popularität wünschte Hans-Jürgen Thoma dem Komponisten Jakob Friedrich Kleinknecht. Mit seiner Triosonate e-Moll machte das Trio schon mal den Anfang. 

 

Tempospiel im Doppelpack Den Übergang vom Basso Continuo hin zum Cembalo-Solo ermöglichte der Komponist Jaques Ibert. In den Deux Interludes für Flöte, Oboe und Cembalo durfte Hans-Jürgen Thoma zeigen, dass er seinem Instrument in drei Minuten und 24 Sekunden 4387 Töne entlocken kann. Und das war so schön, dass die Zuhörer es als Zugabe gleich noch einmal hören durften. Der Besuch des Trios in Kirchtimke stellte übrigens eine Zwischenstation auf dem Weg nach Skandinavien dar. Am morgigen Donnerstag spielt das Ensemble bei der 600-Jahr-Feier im schwedischen Landskrona, zu der sich auch König Carl Gustav angesagt hat. (rsk)